T e i l 5
Yendi, 21. April 2005
Liebe Rosel, lieber Bert!
Ich melde mich hiermit bei euch zurück, zurück unter den Lebenden! Über meine Unfallstory zu erzählen brauche ich in diesem Brief wohl nicht. Ihr werdet genug Informationen darüber erhalten haben. Fangen wir liebe an über das Wetter zu reden. Die Luft hier ist wieder klar und sauber, der nächtliche Sternenhimmel so klar und deutlich wie nie zuvor. Der Staub aus der Sahara plagt uns nicht mehr. Der Wind kommt jetzt aus dem Süden. Die Luft bringt Feuchtigkeit mit und vereinzelt bereits Regen. Gesternabend gab es das erste nennenswerte Gewitter. Hatte ich zuerst vor, mir die Szenerie von außen anzusehen, verzog ich mich aber schnell in das Innere des Hauses. Die Blitze kamen gleich aus vier verschiedenen Himmelsrichtungen. Schlagartig folgte dann der Donner. Wie üblich kam dann der Wind und dann prasselte auch schon der ersehnte Regen herunter. Wie ich später festgestellt hatte, hat der Wind wieder ein paar Dachziegeln weggeblasen, einige von der Dachkante. Das Gewitter brachte wunderbare Abkühlung. Die Hitze war auch in der vergangenen Woche so drückend, dass jeder ahnte, dass der Regen jetzt bald kommt.
Yendi mausert sich zu einem ansehnlichen Marktflecken. Wird sie wohl in Zukunft an die alte Tradition von Handel und Verkehr anknüpfen könne, die sie einmal in früheren Zeiten als Königsstadt der Dagombas war? Im vergangen Jahr bekamen wir Strassenlaternen, jetzt ist eine Strassenbaufirm dabei alle Ausfallstrassen bis auf 5 km Länge zu teeren. Dabei werden viele alte Bäume, die noch aus der Zeit der Deutschen stammen, der Erweitung der Strassen weichen müssen.
Beinahe hätten wir in den vergangenen Wochen die Beerdigung des ermordeten Ya-Nah gehabt. Sie wurde aber wieder verschoben, weil man sich über die Zeremonie noch nicht geeinigt hatte. Auch ist die Nachfolge immer noch nicht geklärt. Es ist ein Gezerre. Die beiden Familien, die Anspruch auf die Regentschaft haben, können noch keinen Frieden machen. Freiwillige Helfer haben bereits den neuen Palast aufgebaut und der alte wurde wieder renoviert. Damit alles ruhig bleibt, haben sie hier 300 Polizisten zusätzlich angekarrt, in Tamale 500. So sieht das Ganze sehr militärisch aus. In Kumasi hatten sie eine Art Friedenskonferenz unter Vorsitz des Ashanteene, des obersten Chiefs der Ashanties. Der Übeltäter und Mörder wird wohl niemals gefunden werden. Die Leute im Süden Ghanas lachen inzwischen über die Starrköpfe im Norden.
Im Februar hatte ich wieder Besuch aus Deutschland. Manfred Schmitt aus unserer Pfarrei in Berlin, hat mich bereits zum Sechstenmal besucht. Er blieb ganze drei Monat hier, bewegt sich aber auch auf eigene Faus herum. In Kumasi hilft er auch einige Wochen in der Apotheke eines Krankenhauses aus. Wir hatten zwei schöne Woche hier in Yendi. Wir besuchten wieder unsere Mitbrüder auf den Stationen. – Wie ihr seht, bin ich wieder heraus aus dem Krankenhaus. Am Mittwoch, dem 6. April, hat man mich in Akwatia abgeholt. Donnerstagnachmittag hatten wir einen Termin bei dem holländischen Orthopäden in Techiman – er hat mich voher bereits untersucht-. Er war hocherfreut über mich und erklärte mich für gesund. Abends waren wir wieder in Yendi, in meinen eigenen vier Wänden. Die Gehstöcke habe ich seither nich mehr gebraucht. Das Treppensteigen macht noch etws Probleme, aber die gibt es hier im Haus kaum. Ich muß noch langsam machen und ich werde auch noch schnell müde. Aber das werden wir bald im Griff haben.
Gestern bin ich in Tamale gewesen. Ich habe unsere Studenten zu einem kleinen Umtrunk eingeladen, die im Tamale-Krankenhaus bei mir Nachtwache gemacht hatten. Dann war ich auch noch auf der Station, wo ich gelegen habe. Habe ein paar Geschenke an das Personal abgegeben. Auch die beiden ägyptischen Ärzte, die mich operiert hatten, konnte ich treffen. Alle waren hocherfreut mich wieder gesund zu sehen.
Es wäre die Zeit wert, wenn ich jetzt eine Art Nachreflexion halten würde, über meine Erlebnisse im Tamale Hospital und im St.Dominic’s Hospital in Akwatia. Das sind Dinge, die ich nicht vergessen werde. Ich bin unendlich dankbar für die selbstlose Hilfe von unseren Seminaristen, Mitbrüdern, Schwestern, Pflegepersonal, Ärzten. -
Bei euch möche ich mich noch bedanken für euren Brief vom 15. Februar, der nach Yendi ging und den ich jetzt erst aufgemacht habe. Mit meiner Anwesenheit zu Deiner Geburtstags-Nachfeier und anschließender Wanderung wird wohl nichts werden. Ich komme in diesem Jahr noch nicht nach Deutschland, bin erst im kommenden Jahr an der Reihe mit dem Urlaub.
Für Eure herzlichen Genesungswünsche mit dem Blümchen „Gute Besserung“ besten Dank. Auch Eure netten Telefonate haben mich erfreut.
So, für heute soll es wieder einmal genug sein. Bleibt gesund und laßt es euch gut gehen.
Euer Franz
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Bevor ich den nächsten Brief schreibe, möchte ich noch kurz berichten, was zwischen diesem und dem folgenden Brief passierte.
Als ich in Tamale wegen des Blutergusses im Beckenbereich behandelt wurde, bekam ich zwei Bluttransfusionen. Sie waren mit einer Hepathitis B verseucht. Nach gut 6 Wochen brach die Gelbsucht aus. Ich wurde wieder in Aquatia bei den Dominikanerinnen behandelt. Nach gut sechs Wochen schickte man mich zur weiteren Behandlung nach Deutschland. Dort kurierte ich bis Januar 2006 meine Hepathitis aus. – Mit dem 29. Januar war ich wieder in Ghana. -
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T e i l 6
Yendi, 8. Februar 2006
Lieber Bert, liebe Rosel!
Dies ist der erste Brief den ich schreibe, seitdem ich wieder in Yendi zurück bin. Ich muß mich selber wieder ins Geschäft bringen. Zuerst muß ich mich aber an alles gewöhnen, aufs Neue. Mein Zimmer habe ich aufgeräumt und sauber gemacht, alles Sachen aus dem Koffer in den Schrank verstaut. Das Büro, das ich bisheran benutzt hatte, habe ich geräumt, weil es ja jetzt von meinem Kollegen benutzt wird, der inzwischen hier eingezogen ist. Das heißt also, dass wir jetzt zu Zweit hier im Haus wohnen. Meinen Bücherschrank habe ich bereits vorsortiert; das heißt dass ich alle Bücher, die ich nicht zurück nach Deuschland nehme, in unsere Hausbücherei gestellt habe, die ich eben eingerichtet habe. Alle Fotos habe ich aus meinen Albums herausgenommen und in Blechbüchsen verstaut. Von vielem habe ich mich bereits getrennt und ich werde die kommenden Monate mit leichtem Gepäck leben. – Das heißt also, dass ich ernsthaft damit rechne, nur noch einige Monate hier zu verbringen. -
Am Sonntag, dem 29. Januar erreichte ich gegen 14 Uhr Ortszeit Accra. In Dubei sah man den Leuten beim Einschecken an, dass es jetzt in Richtung Afrika weitergeht. Eine riesige Gruppe von Männern und Frauen, die an von einer Pilgerfahrt nach Mecca zurückkamen, waren auf dem Weg in ihre Heimat Westafrika. Es brauchte seine Zeit, weil sie viel Gepäck dabei hatten, das auch noch beschriftet werden mußte. Ich hatte diesmal keinen Fensterplatz, wurde aber gewahr, dass unter uns sowieso nur ein braune Suppe zu sehen war. In Accra erwarteten mich Sauna-Temperaturen. Ich bestieg ein Taxi und schon war ich wieder in bekannter Umgebung in unserem Gästehaus. -
Am Montag machte ich noch einige Erledigungen. Das Problem, wie schnell nach Yendi kommen, erledigte sich pracktisch von selbst. Unser Bischof war hier und er versprach , mich bereits am kommenden Tag nach dort mitzunehmen. Abends setzte ich mich mit zwei deutschen Mitbrüdern, die gerade zufällig hier waren, zu einem Drink zusammen. So konnte wir uns gleich die Neuigkeiten austauschen. Seit Dienstag-Nachmittag bin ich nun wieder hier im Haus. Wir sind nun hier zu zweit. Der Kollege schläft praktisch nur hier. Er arbeitet im Bischofshaus, weil er der zweite Mann nach dem Bischof ist, der Generalvikar. Er hat viele gute Ideen und wir diskutieren oft darüber. Er kam erst neulich von seinem Zweitstudium aus Indien zurück und steckt voller guter Pläne. Etwas sehr gutes hat er bereits erreicht. Er hat den Bischof überredet, endlich in sein neues Haus einzuziehen, dass schon über ein Jahr bezugsfertig ist.
Wie ich die Situation hier realistisch einschätze, wird es auch in Zukunft gut ohne mich weitergehen. Das ist klar. Manches wird sogar besser gehen. Was ich dann mit meinen Buchbinderei-Geräten mache, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. -
Ich schaue eben zum Fenster hinaus. Es ist wieder Harmattan. Das Thermometer geht bereits bis auf 38. Abends wird es kühler, da regt sich auch schon mal ein Lüftchen. Ich sitzte dann draussen, schaue in die Landschaft, bis die Dunkelheit kommt.
Mit Schwester Lukaris vom Akwatia-Hospital habe ich bereits Kontakt aufgenommen, weil ich dort zur Nachuntersuchung hin soll. Sie hat mir gleich gesagt, dass ich zu früh zurückgekommen sei. Sie hat mir aber früher schon mal gesagt, ich solle überhaupt nicht mehr zurückkommen. Das war mir doch etwas zu stark. -
Also, ihr seht, dass ich auf alle Fälle hier weitermache. – Drucke gleich noch zwei schöne Fotos für euch aus. -
So, das wäre das allerwichtigste und allerneueste von hier. Bleibt schön gesund und üaßt gut auf euch auf. Euer Franz