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                                                                                                                                                            Yendi, 11. April 2006

Hallo, lieber Bert und liebe Rosel!

Diesmal habe ich umgekehrt angefangen. Ich habe gleich vorne auf der ersten Seite dieses Briefes meine Fotos ausgedruckt. Irgendetwas in meinem Rechner (PC) stimmte nicht. Bevor alles zusammenkracht, habe ich schnell die Fots ausgedruckt. Schreiben kann ich ja auch von Hand, falls der PC nicht mehr mag oder ganz zusammenkracht. Nun gleich die Erklärung zu den Bildern. Mit meinem Besucher aus Berlin, der in diesem Jahr auch wieder kam, besuchten wir einen deutschen Mitbruder aus Wolfsburg. Mit diesem Kollegen besuchten wir eine Station der Steyler Missionsschwestern, die dort eine kleine Klinik führen. Sie mußten mal wieder Besuch bekommen. Die Schwestern auf dem Foto sind aus Polen, Deutschland (Münster) und aus Angola. – Das untere Foto zeigt mich selbst, als ich durch ein geschwärztes Glas nach der Sonnenfinsternis schaue. Am 29. März gab es über Westafrika eine totale Sonnenfinsternis. In Accra war die Sonne schwarz, hier im Norden, das sind 650 km weiter war doch noch eine Sichel der Sonne zu sehen. Ich dachte nicht, dass diese Entfernung soviel ausmacht. -

Bei euch in Deutschland sind noch winterliche  bis vorfrühlinghafte Temperaturen. Sie gehen runter bis 11 Grad. Das sehe ich in meinem Sateliten-TV in der Deutschen Welle. Hier braten wir wieder. Die Luftfeuchtigkeit geht schon bis auf 22 %. Nachts gehen sie seit zwei Tagen bis auf 55 % hoch. Also können wir uns bald auf einen Wetterwechsel einstellen. Auch der Südwind kommt jetzt öfters, der auch Wolken mitbringt.-

Gestern wurde endlich, besser gesagt heute nacht, der Chief beigesetzt, der vor vier Jahren bei einer Attacke seiner Gegner umgebracht wurde, beerdigt. Er bekam ein Staatsbegräbnis. Ein jahrelanger Streit, der wieder aufflammte, ein Streit zwischen den beiden Gruppen, die sich beim Regieren abwechseln. Man hatte sich jetzt endlich auf einen Modus geeinigt, der beide Seiten in etwa zufriedenstellt. Damit keiner auf dumme Gedanken kommt, ist die Präsenz von Soldaten und Polizei überproportional. Trotzdem hörte man gestern und auch heute Schießereien. Eben haben meine Leute erzählt, dass sie ein paar Häuser angezündet haben. Vielfach kommen aber auch Leute von woandersher, die hier dann Krawalle machen. Ich glaube, die Leute selber von hier, aus Yendi, wollen Ruhe haben. -

Es ist schon wieder Ostern. Die Zeit vergeht. Schon wieder bin ich mehr als zwei Monate hier. Meiner Gelbsucht geht es gut, sie läßt mich in Ruhe. Dafür plagt mich meine Bruchoperationsnarbe. Sie will nicht vernarben, ging schon zweimal auf. -

So, ich hoffe es geht euch gut. Bleibt gesund! Bis zum nächsten Brief grüßt Euch

Euer     Franz

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T e i l   8

 

Yendi, 4. Juni 2006

 

Liebe Rosel, lieber Bert !

Es ist an der Zeit, mich wieder zu melden. Heute ist Pfingstsonntag. Ganz herzlichen Dank für Eure Grüsse und Wünsche zu meinem Geburtstag. Der Brief kam zur richtigen Zeit an. Übrigens der einzige Brief, der zur richtigen Zeit ankam. Alle anderen kamen danach. Ich habe mich richtig gefreut über Eure Grüsse. Danke! -

Inzwischen hat Rosel ihren 80-zigsten Geburtstag gefeiert. Leider habe ich nicht geschrieben. Es war mir nicht bekannt, dass du feierst. Schade für meine Versäumnis. – Ich schreibe wieder von Hand. Mein PC tut es nicht mehr. Ich hatte ihn in Reperatur gegeben. Sie hatten etwas geändert dran. Es hat aber doch nicht geholfen. So werde ich mir  einen neuen Tower beschaffen müssen. Man ist versucht, Geld in Reperaturen zu stecken. Aber besser ist, gleich Geld für einen neuen auszugeben. Da hat man gleich etwas besseres. -

Bei uns ist inzwischen der Frühling angebrochen, bzw. die Regenzeit. Die braune Landschaft hat sich in eine grüne und blühende verwandelt. Damit beginnt aber schon wieder der Kampf mit dem Gras. Es wächst sehr schnell. Alle Farmer sind in voller Aktion auf ihren Feldern. Je schneller ausgesät wird, desto schnell kann geerntet werden. Der Regen muss noch regelmässiger kommen. Nach der Aussaat haben alle Angst, dass der Regen ausbleibt und die Felder abtrocknen. -

Habe ich lange Zeit wie ein Einsiedler gelebt, so bevölkert sich jetzt unser Haus. Es kamen vier junge Mitbrüder, die einen dreimonatigen Vorbereitungskurs auf ihre „Ewigen Gelübde“ machen. Abwechselnd kommen verschiedene Leute und geben ihnen Vorträge zu unterschiedlichen Themen. Jugend ist gut. Es wirft einen ewas heraus aus den gewohnten Bahnen und verlangt einem doch etwas mehr ab. -

Nach der Beerdigung des Yana-Chiefs normalisiert sich wieder einiges in Yendi. Polizei und Soldaten sind bis auf ein Minimum reduziert. Trotzdem kann es immer wieder kleine Probleme geben. Erst gestern gab es wieder Randalierer. Es gab angezündete Häuser und auch Verletzte. – Die ganze Sache mit den Chiefs hat wohl ihre Bedeutung verloren, das sehen inzwischen auch die Verantwortlichen ein. -

So ihr Lieben. Diesmal nur einen kurzen Brief mit nur wenigen Informationen. Foto gibt es wieder Einandermal.    Es grüßt Euch herzlich

Euer   Franz

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Yendi, 27. August 2006

Liebe Rosel, lieber Bert!

 Der letzte Kontoauszug aus St.Augustin zeigt mir, dass am 26.7. Geld von Euch eingezahlt worden ist. Herzlichen Dank. Ich hatte bereits meine ganze Barschaft von meinem Accra Konto abgehoben, um es hier noch auszugeben. Es spricht sich herum, dass ich bald abhaue. So kommen noch schnell einige Bittsteller. „Es tut mir sehr, sehr leid, aber mein Geld ist einfach alle“, kann ich dann sagen. Ich habe Euch am 4.6. den letzten Brief geschrieben. Wenn so grosse Geschenke eingehen, dann muß ich ja wieder zur „Feder“ greifen um Euch zu schreiben. -

Hier ist die Regenzeit. Es regnet zwar, aber für die Bauern ist es noch nicht genug. Sie brauchen einfach mehr, damit es eine gute Ernte gibt. - Das Wetter ist etwas kühler geworden.  Hat zur Folge, dass ich nachts besser schlafen kann. Einige zeit- und wetterbedingte Krankheiten haben mich in letzter Zeit beschäftigt. Die Zeit zum auskurieren muss man sich einfach nehmen.

Wenn ich ernsthaft in meine nächste Zukunft blicke, sehe ich, dass  mein Abenteuer in Ghana in die letzte Phase geht. Was mich im Moment noch hält, ist die Tatsache, die Schwestern in Tamale noch besser in Buchbinderarbeiten zu trainieren. Alle Geräte und Materialien habe ich bereits Anfang August zu ihnen nach Tamale transportiert. An zwei Tagen in der Woche bin ich in deren Konvent und ich zeige ihnen alles. -

Meine Koffer wären schnell gepackt, falls die Abreise eher notwendig wäre.

So ihr Lieben. Das wäre es wieder für heute. Ob ich euch nochmals schreibe, kann ich jetzt noch nicht sagen.  

Herzlichen Gruß,     Euer     Franz

 

 

Yendi-Briefe -4

 

Klicke auf das Foto, dann öffnet sich das Album.

 

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Verehrter Leser!

Damit habe ich meine Serie „Briefe aus Ghana“ bzw. „Franz schrieb damals“ beendet. Die Teile 1-20 habe ich in Tamale geschrieben. Ich habe sie inzwischen alle aus meinem Blog herausgenommen. Oben habe ich nun die Briefe aus Yendi bearbeitet und in meinen Blog „Ghanadream“ hineingegeben. Die Fotos in dem angegliederten Web-Album sollen die Geschichte etwas anschaulicher machen. -

Diese Briefe habe ich an meinen ältesten Bruder und dessen Frau geschrieben. Als ich aus Ghana zurück war, hat er sie mir ausgehändigt und gab mir zu verstehen, dass ich aus diesen Briefen etwas machen solle. So habe ich mich drangemacht, sie alle, einer nach dem anderen zu bearbeiten. Für eine Veröffentlichungen bot sich meine eigene „Heimseite“ an. Ohne Zweifel liesse sich auch ein Buch daraus machen. – Denn die ganze Geschichte war für mich so spannend und abenteurlich, dass ich sie festhalten wollte. -

Mögen Sie alle, die Sie absichtlich oder unabsichtlich in diesen Seiten blättern, Freude und Spaß an meinen Erlebnissen haben und dass etwas „herüberkommt“ !

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