Meine Erfahrung mit einer Intensiv-Fastenzeit.
Endlich war ich soweit. Ich wollte es wieder einmal wissen. Das Thema „Fasten“ hat mich schon immer interessiert, ja herausgefordert. Die Verwirklichung blieb bisher auf der Strecke. Was waren die Gründe? Keine Motivation, keinen Mut, keinen Mumm in den Knochen, zu wenig Vorbilder unter meinen Kollegen, keiner der mitmachen wollte, kein Antritt, die Scheu, etwas altmodisches zu tun, was schließlich jeder belächelt? Es gab also genug Gründe, es nicht zu tun.
Damals in Berlin Anfang der 80er sammelten wir ein paar Leute um uns und versuchten mal eine Woche lang. War eigentlich nicht schlecht. Wir fanden uns jeden Abend zusammen und tauschten unsere Erfahrungen über unser Fasten durch den Tag aus. Nach einer Woche gab es dann eine Abschlußfeier. Jeder von uns war „stolz“ auf seine „erbrachten Leistungen“. Dies war eine durchaus positive Erfahrung in einer Fastengruppe.
Viel später dann in Afrika lebte ich in einem überwiegend muslimischen Umfeld. Hier kam ich in Kontakt mit islamischer Lebensart. Ich sah, wie selbst meine muslimischen Mitarbeiter den Ramadan äußerst ernst nahmen. Da gab es keine Ausnahme oder Entschuldigung. Tagsüber wurde, trotz oft schwerer körperlicher Arbeit, nichts gegessen und diese Fastenperiode konsequent durchgehalten. Jugendliche Mitarbeiter sagten mir: „Nein ich esse tagsüber nichts, danke“. Sie beschämten damit uns Christen. Und wie wurde dann der Schluß bzw. das Ende des Ramadan begangen! Es war ein rauschendes Fest, die ganze Stadt war nicht wiederzuerkennen, vor lauter Begeisterung.
Der Aschermittwoch 2009 kam. Mir ging es immer wieder durch den Kopf: Jetzt mußt du irgend etwas tun, jetzt hast du einen entsprechenden Rahmen, in welchem du es tun kannst, auch wenn du alleine bist!
Gut, die Dinge die mir wichtig waren:
Du hast einen äußeren Rahmen, eine überschaubare Zeit, du hast ein gutes Motiv, du hast Vorbilder, du kannst deine Solidarität zeigen mit deinen muslimischen Freunden, du bist dickköpfig genug, es durchzustehen, du willst mal wieder richtig deinen Magen brummen hören und du kannst dadurch deine Solidarität mit den Hungernden zum Ausdruck bringen. -
Mir ging auch immer wieder durch den Kopf, was wir so schön, meist unbewußt, in der Fastenpräfation beten: „Durch das Fasten des Leibes hältst du die Sünde nieder, erhebst du den Geist, gibst uns die Kraft und den Sieg…..“
Stimmt das, oder stimmt das nicht? Vielleicht auch nicht mehr, weil es unmodern geworden ist. Fasten des Leibes, was soll das. Man kann ja auch in etwas anderem fasten. Tut man das dann auch wirklich?
Gut, so würde ich klein dazufügen, es ging mir auch darum , ein paar Kilo abzunehmen, als Nebeneffekt.
Also fing ich mit dem Aschermittwoch ernsthaft an.
Dann gab es neben dem eigentlichen Fasten, dem weniger Essen, auch noch das Ausfüllen mit einem spirituellen Inhalt. Es gibt 30tägige Exerzitien, es gibt auch „Exerzitien im Alltag“. Also baute ich mir das alles selber zusammen, machte jeden Tag ein geistliches Programm und hielt es eben 40 Tage durch. Das Wegbleiben bei den gemeinsamen Mahlzeiten erschien mir auch als ein Problem. So legte ich mich auf eine normale Mahlzeit in der Gemeinschaft fest. -
Wie lief es ? Ich möchte hier nicht meine allerinnersten Gefühle und Empfindungen preisgeben. Fest steht: Ich war überglücklich es gemacht und auch geschafft zu haben. Es war manchmal hart, der Magen brummte erbärmlich. Ich konnte jede Woche 2 kg Übergewicht herunter bekommen. Mein körperliches Wohlbefinden hat sich verbessert. Ich brauche keine Medizien mehr. Ich erlebte diese 40 Tage als eine wirklich instensive geistliche Einkehr. Ich glaube wirklich daran, was da in der Fastenpräfation steht, „…..erhebst du den Geist, unterdrückst du die Sünde…..“ Ich habe es am eigenen Leib erfahren. – Ich könnte mir vorstellen und ich würde mir wünschen, dass man das auch in einer kleinen Gruppe Interessierter machen könnte, mit täglichen Impulsen und Reflexionen. Vielleicht läßt sich das einmal realisieren.
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