T e i l - 3
Yendi, 20. August 2004
Hallo, liebe Rosle, lieber Bert!
Hoffe, es geht euch gut. Schon längst wollte ich diesen Brief geschrieben haben. Ich fing bereits am 20. August an, aber inzwischen ist bereits der 30. August geworden. Am Wochenende zuvor besuchte ich einen jungen Mitbruder in Chereponi, das ist die von hier die am weitesten entfernte Station, etwa 90 min. Fahrzeit. Dort ist ein Pole, sehr sympatisch. Normalerweise ist noch ein Chilene bei ihm , aber der ist zur Zeit in Urlaub. Das Lebensnotwendigste ist dort, aber man muß auf einigen Comfort verzichten. Am Sonntagmorgen wollte er mich zum Gottesdienst in eine Außenstation mitnehmen, mit dem Auto. Es begann aber um vier Uhr morgens zu regnen, ein Wolkenbruch könnte man auch sagen. Erst gegen 8 Uhr ließ es etwas nach. Er beschloß daraufhin mit dem Motorrad zu fahren, in Gummistiefeln. Er mußte aber doch noch durch knietiefes Wasser waten. – Es regnet zur Zeit wirklich viel. Jeden Tag. Das ist ein Zeichen, daß die Regenzeit zu einem Ende kommt. Hier von unserem Haus aus kann ich die Regenschauer vorbeiziehen sehen. Die Blitze und die Donnerschläge sind entsprechend.-
In der Woche zuvor war ich in Accra. Ich holte dort meine Sachen ab, die im Container per Schiff seit Anfang Dezember unterwegs waren. Endlich sind die Sachen hier. Beim Auspacken kam ich mir vor wie an Weihnachten, ich meine wegen der Bescherung. Es waren wirklich schöne Sachen dabei, wie Konserven, Filterkaffee, Schokolade, Gebäck, sogar eine Flasche Wein. Dann mußte ich auch zur Deutschen Botschaft, wegen der Geschichte mit dem Verkauf des Hauses von Helmut und der Änderung des Testamentes. Leider ging es mir in dieser Woche gesundheitlich nicht so gut. Ich hatte mir eine schöne Malaria eingefangen und dazu noch Thyphus. Nach ein paar Tagen gewaltsamer Unterbrechung meiner gewohnten Arbeit ging es mir dann wieder besser. -
Wie mag es euch gehen? Ich hoffe doch gut. So will ich für heute schliessen. Alles Gute,
Euer Franz
![]() |
| Yendi-Brief 2 |
Bitte ins Foto klicken, dann öffnet sich das Album.
——————————-
T e i l 4
Yendi, 20.1.05
Liebe Rosel, lieber Bert!
Du hast Geburtstag und deshalb gratuliere ich Dir ganz herzlich. 8o Jahre wirst Du! Welch ein bemerkenswerter und denkwürdiger Anlaß. So gehörst Du jetzt auch zum „Club der Achtzigjährigen“. Feiere recht ausgiebig und schön.
Rosel hat mich angefragt wegen des Thyphus. Das ist hier bei uns eigentlich nichts besonderes. Es gibt verschiedene Formen. Ich kann selber nicht sagen, ob es der gleiche ist, der früher mal so gefährlich war. Sicherlich hat man jetzt viel bessere Medizin. Man holt sich diese Krankheit durch das Essen und Trinken. – Aber schon bin ich wieder beim wichtigen Thema: Krankheiten. Mit meinen Leistenbruchproblemen habe ich Kurzenprozess gemacht. Ich habe ihn mir operieren lassen. Es kostete mich vier Wochen Zeit, eigentlich recht lange. Ich bin aber in den Süden zu unseren Schwestern gefahren, die haben dort ein gutes Krankenhaus. So hat ein deutscher Arzt mich operiert. Nun kommen aber wieder meine Magenprobleme hoch. Die konnte ich mir dort noch nicht behandeln lassen. Vielleicht haben wir auch noch nicht die richtige Medizin gefunden. -
Über Weihnachten und Neujahr war es ruhig hier. Es gab ja fast nur Feiertage. Warscheinlich aus Freude über die wiedergewonnene Wahl gab der Präsident Feiertage. Weil Weihnachten auf Samstag und Sonntag fiel, und da ja sowieso arbeitsfrei ist, wurden die beiden Weihnachtsfeiertag auch noch später nachgeholt. Also, zwischen den Feiertagen lief hier nichts. Genauso wie bei euch, könnte man sagen. Über die Feiertage hatte ich zwei Seminaristen hier. Es war wie eine Familienwerweiterung. So hatte ich Helfer um mich herum, und war nicht so alleine. Im vergangene Jahr über die Feiertage war ich auf einer Missionsstation bei einem Mitbruder. Da war auch Leben. -
Der Harmattan hat uns wieder ganz im Griff. Der Staub hängt wie Nebel herum. Das Staubwischen im Haus wird zu einem echten Problem. Am ulkigsten ist es, wenn ich des nachts die Taschenlampe anmache und ich dann im Dunkeln im Schein der Lampe die Staubteilchen herumspazieren sehe.
Man fragt sich ernsthaft, wie die Atemwege da noch normal arbeiten können. Wie üblich, ist auch meine Nase wieder zu. Nasenbluten, weil die Nasenschleimhäute ausgetrocknet sind. Das Gras ist vertrocknet, die Felder braun. Um unsere Eingrenzungsmauer haben wir diesemal einen Feuergürtel angelegt. Das heißt, gute drei Meter um die Mauer herum alles Gras abgemacht und verbrannt. So können die Flammen bei einem Buschfeuer nicht bis zur Mauer kommen und hinüberspringen. Es ist eigentlich verrückt, wie die Kinder mit dem Abbrennen des Grases spielen. Es ist wie ein Sport, wenn die Kinder im Kreis stehen, das Gras darinnen anzünden und nach den Mäusen und Ratten jagen, die aus dem brennenden Gras springen. Na ja, die Alten machen ihnen es noch vor : Es gibt richtig organsierte Treibjagten der Jäger, wo ganze Felder abgebrannt werden, um nach dem Kleingetier zu jagen. -
Es ist Gott sei Dank, ruhig hier herum, auch politisch. Die vormalige Regierungspartei hat wieder das Rennen gemacht. Präsident Kofur ist eine starke Persönlickeit. -
Ich habe jetzt für unser Haus hier ein Sateliten-TV angeschafft, mit mittelgrosser Salatschüssel. Jetzt sind wir rundum mit Nachichten aus der ganzen Welt versorgt. Die Informationen im BBC über den Tsunami im Indischen Ozean sehen sich ja wie ein Krimi an. Manchmal wird es einem aber auch zu viel, was sie da, und wie sie das alles bringe. -
So, ich mache ich wieder Schluß für heute.
Es grüßt Euch Franz
